Author Archives: Mika Baumeister

[Update 2] Centbeträge an AfD spenden – schadet das der Partei?

Derzeit geistert ein kleines Gerücht durch das Netz: Wenn man die AfD finanziell unterstütze, würde das der rechts angeordneten Partei einigen Schaden zufügen (2. Quelle).
Grundlage des Ganzen: Transaktionsgebühren bei dem Drittanbieter, über den die AfD Spenden beziehen kann. Sofortüberweisung, so heißt einer der zwei entsprechenden Anbieter, verlangt nämlich pro Transaktion einen gewissen Prozentsatz sowie eine feste Summe pro erfolgreicher Transaktion:sofortüberweisung

Das heißt: Wenn ich 10 Cent überweisen würde, kostet das der AfD theoretisch 0,10-0,25-(0,10*0,9%) Cent -> 15,009 Cent. Wichtig: Bitte hier noch die Fragen lesen, es kann sein, dass die AfD keine Gebühren zu bezahlen hat.

Halt Stopp! Es gibt doch noch die Parteifinanzierung vom Staat. Würde die diesen Verlust wieder auffangen können? Nö. Denn: Pro gespendetem Euro gibt es nur 38 Cent als Zuschuss. Heißt im Umkehrschluss: Aus den 10 gespendeten Cent werden 13,8 Cent. Immer noch ein Verlust von 11,209 Cent.

Die AfD hat Gegenmaßnahmen geschaltet: Jetzt sind Überweisungen per Sofortüberweisung nur noch ab 5 Euro möglich. So viel sollte natürlich nicht gespendet werden, weil die AfD hier wieder Gewinn macht!

[Update] Antwort von Sofortüberweisung

Grundsätzlich, so heißt es von der Pressestelle, entstehen tatsächlich für Kunden der Sofort GmBH Mehrkosten bei solch Centbeträgen, die überwiesen werden. Man konnte mir aber aus vertraglichen Gründen nicht sagen, ob es mit der Alternative für Deutschland einen Sondervertrag gab, bei dem die Kosten wegfallen würden.

Ganz konkret gab es aber auch eine Aktion von Sofortüberweisung: Die AfD wurde gekündigt! Ab dem 31. Januar 2016 – nach Fristende des Vertrages – kann die Partei keine Spenden mehr per Sofortüberweisung entgegen nehmen. Das hängt aber nicht mit dem Hintergrund der AfD zusammen, sondern mit einem Grundsatz der Klarna Group, dessen Tochter die Sofort GmBH ist. Diese hat in ihren Policies stehen, dass Parteien grundsätzlich keine Dienste des Unternehmens annehmen dürfen. Die Kündigung der AfD erfolgte erst jetzt, weil die Übernahme durch Klarna noch nicht allzu lange her ist.

Es ist richtig, dass die AfD über die SOFORT Überweisung die SOFORT GmbH als technischen Dienstleister zur Entgegennahme von Zahlungen genutzt hat. Zu den vertraglichen Inhalten mit einzelnen Händlern oder Organisationen können wir keine Auskunft geben.

Da die SOFORT GmbH als Teil der Klarna Group jedoch gemäß interner Richtlinien mit keiner politischen Partei zusammenarbeitet und die AfD als solche fungiert, haben wir den Vertrag heute gekündigt. Die Kündigungsfrist beträgt vier Wochen zum Monatsende.

Eine Zurückweisung von Überweisungen ist übrigens nicht möglich. Somit MUSS die AfD die bisherigen „Spenden“ entgegen nehmen und damit auch die Gebühren bezahlen.

Centbeträge nicht nur per Sofortüberweisung, auch PayPal

paypal

Dieses Centbeträge-Prinzip scheint auch mit PayPal zu funktionieren. Hier liegen die Gebühren bei 35 Cent pro Überweisung mit weiteren 1,7 Prozent bei unter 25.000 Euro und mehr als 5.001 Euro monatlichem Umsatz. Ich möchte mal behaupten, in diesem Bereich hält sich die AfD auf. Sprich, kurze Rechnung: 0,10-0,35-(0,10*1,7%)= 25,0017 Cent Verlust plus 3,8 Cent Parteienfinanzierung -> -21,0017 Cent pro PayPal-Überweisung von 10 Cent.

Per PayPal lässt sich sogar nur 1 Cent überweisen. Die Rechnung hier ist also: 0,01-0,35-(0,01*1,7%). -> -34,00017 Cent pro Überweisung.

[Update 2] Antwort von Paypal

Auch die Pressestelle von Paypal hat sich nun telefonisch gemeldet. Antwort (nicht wörtlich):

Es gelten die Gebühren, die hier auf unserer Webseite stehen. […] Es sind aber auch individuelle Anfragen möglich.

Konkret heißt das: Die AfD ist in erster Linie ein Händler, es gibt keine Sonderkonditionen für Parteien an sich. Da PayPal aber dem luxemburgischen Bankgeheimnis unterliegt, kann man mir zu extra Tarifen keine Auskunft geben. Ob jemand besondere Vertragsbestimmungen hat, hängt unter anderem mit dem Transaktionsvolumen pro Monat ab. Hat die AfD eine Sonderkondition? Ich persönlich möchte es bezweifeln, aber man weiß ja nie…

Einen Spendentarif hat die AfD aber auf keinen Fall. Diese Konditionen gehen nur an tatsächlich spendenbedürftige Vereine wie etwa „Ein Herz für Kinder“.

Ebenfalls wäre denkbar, dass die AfD Sonderkonditionen für sogenannte „Mikrozahlungen“ hat. Dann würde die AfD nur noch 10 Cent zuzüglich 10% vom Transaktionsvolumen zahlen müssen. Also, noch eine neue Rechnung: 0,01-0,10-(0,01*0,1) -> -0,09001 Euro pro Transaktion und immer noch ein signifikanter Verlust.

Im Gegensatz zur Sofortüberweisung ist die Zurückerstattung von Überweisungen bei Paypal möglich. Das heißt: Wenn die Alternative für Deutschland die 1-Cent-Beträge nicht haben möchte, kann sie es zurückerstatten. Dabei sind aber nicht die Transaktionskosten von Paypal inkludiert: Heißt, auch wenn der eine Cent zurück überwiesen wird, muss die AfD weiterhin 35 Cent an Paypal zahlen. Nur die prozentuale Abgabe wird zurückgenommen.

Welche Daten erhält die AfD von PayPal-Nutzern? Auch hier war keine eindeutige Antwort möglich, hier finden sich allerdings die Bedingungen.

Das heißt konkret…

Sprich, Stand jetzt: Die AfD macht bei 10 gespendeten Cent 11,2 Cent oder 21,0017 Cent Verlust, je nach Anbieter. Scheint nicht viel zu sein, aber gerade der AfD kann es derzeit richtig weh tun – immerhin wird der Gold-Shop in Kürze nicht mehr erlaubt sein und die Finanzierung der Partei hängt am seidenen Faden.

Relativiert gesehen: Selbst wenn 5000 Leute 10 Cent per PayPal an die Alternative für Deutschland überweisen, hat die AfD „nur“ einen Verlust von 1.050,085 Euro. Wenn nur 1 Cent überwiesen wird, kommt man auf 1700 Euro Schaden. Die  Spendenbücher danach desweiteren vollkommen überflutet. Also: Wer’s braucht, kann diese Centbeträge ja gerne einmal überweisen. Viel mehr als eine „witzige“ Aktion ist das Ganze aber nicht.

 

Nachtrag / Update zur Mediensituation in Haltern

Liebe Leute,

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Kerzen Dienstag Abend auf einer Tischtennisplatte

zunächst Ihnen vielen, vielen Dank für die ganzen netten Worte! Auf vielen Kanälen (Facebook, Twitter, Mail und sogar Xing) erreichten mich viele Schreiben, auch von Angehörigen aus anderen Städten sowie Menschen, die ähnliche Ereignisse durchmachen mussten. Dabei: Winnenden, ein größeres Busunglück, ein anderer Angehöriger von Flug 4U9592, einige weitere Unfälle… Bei allen war der Tenor derselbe: Gut, dass mal darüber gesprochen wird! Hier nur zwei der vielen Beispiele:

Was ich aber sagen kann ist, dass diese plötzliche Medienpräsenz sowie eine Verbindung zu dem geschehenen bei mir einen erstmaligen Backflash verursacht hat wie ich noch nie hatte und nun selbst sehen muss wie ich damit umgehe. – ein Betroffener mit einer ähnlichen Situation, unabhängig von Flug 4U9525

 

(…)Und ich habe damals ebenfalls die Medien erlebt – So Übel !!! Hier bei Euch in Haltern, wie damals in Winnenden dasselbe Verhalten der Berichterstatter. – und das wusste ich vom 1. Tag an, dass das wieder so kommt. Diese Kack-Sensationslüsternen Medien. …NICHTS hat sich verändert. in Winnenden wurden sogar Schüler gefragt, ob sie die Situation „nachspielen“ wollen (Da gibt es keine Worte mehr) – Freund einiger getöteten SchülerInnen in Winnenden

Um mal deutlich zu machen, wie ich in der nächsten Zeit vorgehen möchte – immerhin werde ich bereits mediengeil genannt – hier einmal ein kleiner Einblick in meinen Plan, falls mir die Möglichkeit dazu geboten wird:

Zuerst liegt meine Priorität dabei, vielen Menschen klar zu machen, dass es Kritik an der Sensationspresse gibt. Dem Boulevard-Zeitungsleser ist das meist gar nicht klar. Ich erreiche diese Personen leider nicht über das ZDF oder die Zeitungen, wo der Artikel auch veröffentlicht wurde. Dennoch gibt es ja so etwas wie Mund-zu-Mund-Propaganda, die hier hoffentlich helfen könnte. Wenn sich viele daran in Zukunft erinnern können (im Sinne von „Ach, da war ja was!“), ist mein Ziel für’s Erste erreicht.

Im späteren Verlauf soll dann diese Diskussion in irgendeiner Art und Weise fortgeführt werden. Ich weiß noch nicht wie, aber hoffe auf eine anschließende sachliche Diskussion rund um die Grundlagen, wie sich Pressevertreter zu verhalten haben. Konkret wäre das der Umgang mit Minderjährigen, einer genaueren Befolgung des Pressekodex‘ sowie dem von mir bereits geannnten Gedankenspiel: Dem Versetzen in diese Lage.

 Und wenn man denkt, es wäre alles erzählt…

… Da kommt die Bildzeitung und bringt mit einem Exklusiv-Video die letzten Sekunden des Fluges an die Öffentlichkeit. Ich verzichte mal auf einen Link, es ist nicht mehr als ein Blender. Ja, auch ich möchte gerne wissen, was passierte – doch das soll erst einmal Teil der Ermittler sein. Diese haben nämlich einen deutlich besseren Überblick über die Geschehnisse als das gesamte Bild-Team zusammen.

Jetzt geht es natürlich wieder an die Spekulation – wie ist Bild an das Video gekommen? Bestimmt gab es die Infos nicht für lau. Und wieder kann nichts bewiesen werden, weil beide Seiten wohl kaum über diesen Deal sprechen werden.

Gate B in Düsseldorf: Kerzen für Angehörige

Gate B in Düsseldorf: Kerzen für Angehörige

Wer an der Echtheit des Videos zweifelt: MicroSD-Karten halten viel aus. Verdammt viel. Und wenn diese kleinen Karten „gepolstert“ aufschlagen, gehen die Chips auch nicht kaputt. MicroSD-Karten haben keine beweglichen Kleinteile, dadurch sind sie im Prinzip noch sicherer als SSDs in PCs, weil letztere die verlöteten Bausteine bei großen Belastungen verlieren können.

Schade: Es scheint so, dass auch seriöse Medien / Sender wie CNN über das Video berichteten (bereits gelöscht, warum wohl?). Finde ich nicht gut und hätte man jetzt auch nicht unbedingt erwartet.  Denn auch hier gilt: Die Sensationsgeilheit wird wieder belohnt, der Einkauf (?) hat sich für Bild gelohnt.

Laut Staatsanwaltschaft gibt es noch nicht einmal ein Video, zumindest liegt es dem Ermittlungsausschuss noch nicht vor. Lügt Bild hier also für die Quoten?

Widerspruch mit Spiegel-Aussage

Ich behauptete in meinem Blogeintrag zunächst, dass Spiegel bei den Angehörigen geklingelt hätte. Auf Twitter eskalierte das Ganze ein wenig.  An dieser Stelle auch von mir der Hinweis: Es kann natürlich auch ein anderes Medienunternehmen gewesen sein, das unter falscher Flagge unterwegs war. Wie ich bereits auf Twitter feststellte: Angehörigen ist es in einer solchen Situation wohl kaum zuzumuten, das Ganze in fotografischer Form für die Beweisführung festzuhalten.

Dennoch hält meine Quelle weiterhin an dem Besuch durch Spiegel fest. Es steht Aussage gegen Aussage – und ich hoffe, dass es nicht zur Wahrmachung der von Stefan Niggemeier „Drohung“ genannten Konsequenz kommt.

Heute in Haltern: Trauergottesdienst

„Die können sich ihr Mikro mal alle in den Allerwertesten schieben!“ Soweit einer der Halterner, die heute an mir vorbei gelaufen sind. Doch die Medien waren heute noch zurückhaltender. Soweit, so gut. Wer die Nachrichten heute bei ZDF sah, fand eine genau richtige Berichterstattung aus Haltern. Sprich: Keine Nahaufnahmen, genügend Abstand. Ich war mit den Redakteuren heute unterwegs und wir sprachen viel über die Aufstellung respektive die Art der Berichterstattung. Torge: Haste‘ gut gemacht mit dem Team!

Negativ ist Tele France 1 aus Frankreich aufgefallen. Trotz dem Verneinen einer Interviewanfrage legte die Moderatorin mit der zweiten Frage los. Darauf kam von mir nur die Antwort, dass sie bitte meinen Blogeintrag lesen solle. Sie ging mit ihrem dreiköpfigen Team übrigens auch anderen Menschen auf die Nerven. Schade eigentlich, wo alle anderen sich eigentlich zurückhielten.

Okay, Bild meinte, es wäre ein Liveticker zum Gottesdienst nötig. Wer sowas gerne lesen will.. Naja.

Transparenz“bericht“: Wo der Artikel / ich in den Medien zu finden war

 Lesenswerte Links

Auf Fragen per Mail werde ich in den nächsten Tagen vielleicht mal ein FAQ schreiben. Das ist, denke ich, eine gute Möglichkeit, einen Überblick zu gewinnen.

Umgang der Medien mit Schülern und Angehörigen in Haltern

Haltern am See: Hört auf, Trauernde zu filmen und Schüler für Geld zu interviewen

Haltern am See: Medien, Hört auf,Kinder für Interviews mit Geld zu bestechen und Haltern vom Trauern abzuhalten!

This article is now also available in EnglishCost What It May: How Media Is Treating Students And Relatives Of Plane Crash Victims

Zu Beginn ein kleiner Hinweis: Ich selbst bin Schüler am Joseph-König-Gymnasium, kannte beide Lehrerinnen sowie einige der SchülerInnen, die bei dem Flugzeugabsturz am 24. März in Südfrankreich ums Leben kamen. Im Folgenden versuche ich, die Gedanken vieler Schüler sowie der Angehörigen einiger Familien mit eigenen Erfahrungen zusammenzufassen. Weder war ich der allerbeste Freund eines der Opfer noch möchte ich ein Vertreter für alle Schüler sein. Doch das hier ist das, was viele über die fragwürdigen Methoden erfahren mussten, mit denen ich sprach: Egal ob auf Seite der Angehörigen (Eltern / Geschwisterkinder) oder der der Mittrauernden (Schüler / Angereiste aus anderen Städten). Im Prinzip ist das hier schon fast die Nachhut der medienkritischen Beiträge; viele Institutionen veröffentlichten bereits ihre Kritik an der penetranten und pietätlosen Berichterstattung (Etwa der Deutsche Journalisten-Verband oder der BILDblog). Dennoch finde ich wichtig, dass auch aus dem Inneren eine Meinung an die Öffentlichkeit kommt: Liebe Konsumenten von Klatschblättern oder einigen TV-Sendern, suchen sie sich neue Berichterstatter!

Liebe Sensations-Journalisten,

haben sie schon einmal auf einen Schlag viele ihrer Freunde, Bekannte oder sogar Verwandte verloren? Nein? Bei der Berichterstattung einiger Medien merkt man das. Und gerade jenen Pressevertretern möchte ich raten, sich einmal zu überlegen, wie sie sich bei dem letzten Todesfall in der Familie gefühlt haben. Was würden sie wohl machen, wenn ihre große Trauer von einem noch größeren Aufgebot von Kameras gefilmt wird?

In den letzten Tagen ist so viel passiert, wurde so viel geredet, gab es so viele Gerüchte. Das alles fügt sich zu einem großen Ganzen zusammen. Und dieses ist aus Sicht vieler vollkommen widerlich. Ganz abgesehen von der Tat des Co-Piloten, die ich hier vollkommen außen vor lassen möchte (ich war nicht in der Lage, mich ausreichend über neue Untersuchungsergebnisse zu informieren), sowie dem Tod der anderen Passagiere, gibt es hier großen Aufklärungsbedarf für die konsumierende Menge. Denn, in einem Satz zusammengefasst: Die Berichterstattung in Haltern war nicht in Ordnung.

Fange ich einmal chronologisch an: Dienstag, 13:05. Durchsage von unserem Schulleiter: Alle sollen nach Hause gehen, es sei etwas passiert, die verfrühte Beendigung des Unterrichts sei kein Grund zur Freude. Schon vorher wussten einige, was unter Umständen passiert sein könnte. Immerhin stand etwa das Datum des Spanien-Austausches in den Schulnachrichten, einige Schüler nutzen ja bekanntlich das Smartphone auch im Unterricht. Und es war auch bekannt, dass der Flieger in Düsseldorf landen sollte. Zusammen mit der Ankunftszeit des Fliegers konnte man – wie in der Pressekonferenz am Mittwoch gesagt wurde – nur darauf hoffen, dass die Schüler den Flieger nicht erreichten oder ein weiteres Flugzeug zur ähnlichen Zeit flog. Der erste Journalist vor Ort kam von der örtlichen Presse, gegen 13:40 stand die Halterner Zeitung vor der Tür. Durch die physikalische Nähe vollkommen legitim. Ich selbst verließ als einer der letzten Schüler gegen 14:00 das Schulgelände, bei insgesamt 2 oder 3 Pressevertretern – wie gesagt, eine öffentliche Bestätigung gab es nicht, die Berichterstattung ließ aber fast keinen Zweifel zu. Zuhause wurde dann eine Runde Twitter gecheckt: Die ersten „großen Player“, die tatsächlich Haltern vermuteten, waren Bild (zumindest unter #Haltern) und Sat1. Der Startschuss um das beste Bild ging also um spätestens 14:30 los. Doof, dass ich mich bei Twitter beteiligte: Ein anonymer Anruf auf dem Haustelefon. Und schwupps, hat die Bild angerufen. Ob ich denn etwas erzählen könne, wie es mir gehe und in welchem Verhältnis ich zu den Opfern stehe. Nun ja, da wurde wohl einfach mal gegoogelt und ein Impressum ausgegraben, in dem man seine Nummer im Normalfall angeben sollte. Einerseits clever, andererseits perfide. Weitere Infos gab es für das Klatschblatt natürlich nicht.

Vorher: Journalisten mit Teleobjektiven für Nahaufnahmen

Vorher: Journalisten mit Teleobjektiven für Nahaufnahmen

Nachher: Trauernde schützen Trauernde durch eine menschliche Blockade

Nachher: Trauernde schützen Trauernde durch eine menschliche Blockade

Um 17:30 (wieder an der Schule) ging dann das an einen Zoo erinnernde Schauspiel los: Die Presse hinter ihren Absperrungen begaffte uns Schüler – vergleichbar mit exotischen Tieren im Tierpark und neugierigen Besuchern. Trotz einer immer noch fehlenden 100%igen Bestätigung des Todes gab es bereits jede Menge Tränen. Wir fühlten uns, als würde die Presse nur auf unsere Reaktion zur endgültigen Affirmation warten, um zerstörte Menschen abzufilmen.

Schon fast zurückhaltend, dennoch deutlich zu erkennende Trauernde. Das Gesicht wurde nachträglich zensiert.

Schon fast zurückhaltend, dennoch deutlich zu erkennende Trauernde. Das Gesicht wurde nachträglich zensiert.

Und was machen die Medien? Großaufnahmen von Leidtragenden! Bild, Sat1, Ruptly, alle mit dabei. Ich selbst hatte keine Zeit, viele passende Fotos und Videos zur Beweisführung heraus zu suchen. Doch wer sich mit den News aus Haltern aktiv beschäftigt hat, wird einige Fotos gesehen haben – Halterner können sich auf jeden Fall wiedererkennen. Deshalb gab es dann eine Art Selbsthilfe, um zumindest die Arbeit zu erschweren. Mithilfe einer kleinen Menschenmauer wurden die Medien so belagert, dass keine ordentlichen Aufnahmen gemacht werden konnten. Die Absperrung am Dienstag lag noch etwas näher an der Treppe als die am Mittwoch, daher gab es noch einmal besseres Bildmaterial für die Presse respektive die TV-Sender. Bei dem Schutzversuch der Trauernden an dieser Stelle mal ein herzliches Dankeschön an H, K, J, S und natürlich auch den Rest, die mit ihrem Rücken die Sicht versperrten. Vorbildlich verhielt sich anfangs N24. Mit einem kleinen Abstand von etwa 4 Metern zur eigentlichen Grenze (die oft bis zum letzten Zentimeter genutzt wurde) war die Berichterstattung genauso gegenwärtig für das Publikum vor der Mattscheibe, dabei aber deutlich weniger störend für die Anwesenden. Aber auch die ersten schwarzen Schafe taten sich auf: Eine Journalistin meinte, sich freche Sprüche gegenüber uns leisten zu müssen. Sie wurde mit 2-3 Leuten bestraft, die sich vor die Kamera stellten und jede Aufnahme unmöglich machten. Hilfe zur Selbsthilfe. Gegen Abend kamen dann die ersten Witzbolde an, die direkt bis zu den Trauernden gingen. Mit den Kameras direkt an den Grabkerzen und einer immer noch großen Menge Betroffener. Kein Kommentar nötig.

Haltern am See. Medienaufgebot am 25.03. vor dem Joseph-König-Gymnasium

Haltern am See. Medienaufgebot am 25.03. vor dem Joseph-König-Gymnasium

Dutzende Übertragungswagen blockierten die Bushaltestelle des Schulzentrums.

Dutzende Übertragungswagen blockierten die Bushaltestelle des Schulzentrums.

Mittwochmorgen kam es dann zum Höhepunkt des Wahnsinns. Die Absperrung, um etwa 5 Meter nach hinten verschoben, war komplett von Redakteuren gefüllt (siehe Foto). Es war vorher abzusehen, dass das Medienaufgebot hoch sein werden wird. Doch wie viele nun tatsächlich da waren, überraschte alle. In der Regel wird der Ort, an dem die Journalisten standen, komplett mit Fahrrädern der Schüler gefüllt. Keiner wird nachgezählt haben, aber der Eindruck des oben genannten Zoos verstärkte sich noch. An die Verstorbenen gedenken konnte so im Prinzip niemand wirklich. Sie können ja einfach mal mit den Gedanken spielen: Man wird von allen Winkeln beobachtet und soll seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Wer nicht genügend Imagination besitzt, um sich das vorzustellen, hier ein kleiner Hinweis: Geht nicht. Den Schülern bot sich zwar die Möglichkeit, auch in der Aula zu trauern. Doch die Stimmung an im Freien ohne eine räumliche Enge war für viele angenehmer, außerdem konnten (und können immer noch) Kerzen abgestellt werden. Eltern von Schülern blieben generell außen vor und mussten in der Regel draußen bleiben.

Full-House bei der Pressekonferenz im neuen Rathaus. Schulleiter Wessel wird von Journalisten an die Wand getrieben.

Full-House bei der Pressekonferenz im neuen Rathaus. Schulleiter Wessel wird von Journalisten an die Wand getrieben.

Nachher bei der Pressekonferenz im neuen Rathaus kam die Frage auf, wie denn das Medienaufgebot den Trauernden helfen könne. „Wie wichtig ist es, dass die Medien in diesem Maße auch aus so vielen Ländern berichten?“ Sylvia Löhrmann sagte sinngemäß, dass es für die Angehörigen wichtig sei, zu sehen, wie stark das Leid geteilt werde. Sie sprach desweiteren darüber, dass die Schüler ihren geschützten Raum brauchen, um die Situation zu verarbeiten. Doch wenn wir schon auf dem Weg zur Schule gefilmt und befragt werden, gehen wir schon mit einer Vorbelastung in die Klassenräume und wir können definitiv nicht so mit der Situation umgehen, wie es eigentlich sein sollte.

Reicht es denn nicht theoretisch, wenn nur 4 Kameras vor Ort sind? Etwa die ARD für die ersten, zweiten und dritten Programme, die dpa sowie Reuters für private Sender und die Lokalzeitung? Das Bildmaterial hinter der Absperrung ist im Prinzip das Gleiche – und hier kommt dann aberdas unbeschreiblich Böse ins Spiel.

Geld für Bilder aus der Schule und Interviews – Geht’s noch?

Laut einem Seelsorger soll sich sogar ein Journalist mit einer Notfallseelsorger-Warnweste unter die Schüler gemischt haben. Ich glaube, dazu braucht man überhaupt nichts sagen, das ist einfach nur sehr traurig. Allgemein scheint es wohl auch Personen gegeben haben, die mit dem Stereorekorder in der Tasche zu den Kerzen herantraten, um Gespräche aufzuzeichnen; Handykameras unter einem Strauß Blumen sollen für Exklusivbilder genutzt worden sein. Eine Person sollte wohl versucht haben, sich als Lehrer zu verkleiden – nur doof, dass man bei einer solch kleinen Schule das Kollegium (etwa 80 Lehrer) kennt. Auf so eine schlechte Idee muss man erst einmal kommen.

Würde die Sensationshascherei dort wenigstens aufhören. Aber nein. Geld für Interviews oder Aufzeichnungen der Gespräche in den ersten Stunden des Mittwochs wurden ebenfalls geboten. Das besthonorierte vor-Ort-Interview wäre wohl bei etwa 80€ dotiert gewesen, soweit ich weiß, gab es auch Einladungen zu Talkshows mit höheren Vergütungen. Diese Interviewanfragen gingen aber nicht immer an halbwegs reife Personen aus der Oberstufe, sondern auch an unschuldige Seelen aus den Klassen 5-7. Mit 10-13 Jahren alten Personen solche Deals zu machen, ist nicht mehr fragwürdig, sondern grenzt an krimineller Energie. Es hat einen guten Grund, warum es Vormünder gibt. Doch diese konnten hier leider nicht eingreifen. Mit vorne dabei: Natürlich die Bild-Zeitung. Nachher will es natürlich wieder keiner gewesen sein, Herr Diekmann. Ärgerlich, dass es hier leider keine handfesten Beweise gibt. Dabei hatte mir ihr Mitarbeiter am Telefon doch eigentlich noch gesagt, dass die Zeitung seriös arbeiten möchte und Persönlichkeitsrechte geschützt werden würden.

Ich möchte an dieser Stelle an einige Paragrafen des Pressekodex erinnern, der in der Regel zumindest den Berichtenden bekannt sein sollte. Für alle anderen: Hierbei handelt es sich um publizistische Grundsätze, die die Berufsethik der Arbeit eines jeden leiten sollen. Bei der Beantragung eines Presseausweises stimmt man der Einhaltung der Paragrafen zu – durch meine Tätigkeit bei verschiedenen Webseiten habe auch ich einen Presseausweis und dadurch auch diese Grundsätze unterschrieben.

4. Grenzen der Recherche

Bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden.

Die Bestechung zur Heranschaffung von neuen Infos ist skrupellos und zeugt von schlechtem Geschmack.

8. Persönlichkeitsrechte

Die Presse achtet das Privatleben des Menschen und seine informationelle Selbstbestimmung. Ist aber sein Verhalten von öffentlichem Interesse, so kann es in der Presse erörtert werden. Bei einer identifizierenden Berichterstattung muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen; bloße Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung.

Bloße Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung. Großaufnahmen von Trauernden sind für mich äußerst identifizierend. Und bei den Schlagzeilen einiger Medien nicht von einer reißerischen Überschrift zu sprechen, wäre heuchlerisch. Ein Bild der bereits verheirateten Spanischlehrerin am Mittwochmorgen auf der Webseite der Bild (relativ schnell wieder gelöscht, aber es war sichtbar)  gab es ebenfalls zu sehen. Leider habe ich keinen Screenshot vorliegen. Zu dem Punkt des Privatlebens komme ich später noch einmal, auch da gibt es einige Stories, die erzählt werden müssen.

11. Sensationsberichterstattung und Jugendschutz

Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid. Die Presse beachtet den Jugendschutz.

Vom Leid sprachen wir bereits. Da muss nichts weiteres hinzugefügt werden. Zum Teil Jugendschutz ist an sich nur der zu sehende / hörende Teil gemeint; etwa dass FSK-Freigaben beachtet werden müssen. Doch zum Jugendschutz gehört auch, dass bei der Erstellung von Material mit Minderjährigen ein richtiger Umgang unbedingt nötig ist.

Dauernde Berichterstattung macht es nicht besser

 

Markus Preiss (ARD) während einer Liveschaltung aus Haltern.

Markus Preiss (ARD) während einer Liveschaltung aus Haltern.

Wenn alle 5 Minuten der gleiche Experte sagt, dass es keine neuen Infos gibt, dann sollte man sich überlegen, ob man vielleicht aus 10 Stunden Sondersendung 2 Stunden macht. Gibt das wirklich so gute Quoten, N24? Der gleiche Einspieler, die gleiche Behauptung, das gleiche Gerücht – Wie oft hat Steffen Schwarzkopf sich wiederholen müssen, nur um die Sendung zu füllen? Er hat wortgewandt mit immer neuen Formulierungen das exakt identische gesagt. Das zeugt von einem gut ausgebildeten Berichterstatter, macht auf der anderen Seite aber auch die Verzweiflung der Produktionsleiter deutlich, für die die Sendung weitergehen muss. Wer ein Interview gab oder auch nur kurz mit einem Berichterstatter sprach, wurde direkt von einer großen Meute belagert. Ob man den anderen auch Infos geben könne, und sei es auch nur eine kurze Beschreibung der aktuellen Gefühlslage. Jeder Leser dieses Textes darf sich nun kurz überlegen, wie man sich nach dem Tod von seinen Freunden fühlt.

Ob ein Kondolenzschreiben wie dieses an die Öffentlichkeit gehört?

Ob ein Kondolenzschreiben wie dieses an die Öffentlichkeit gehört?

In der Halterner Sixtus-Kirche durfte nicht gefilmt werden – das hinderte die Redakteure vom Focus nicht daran, eine Nachricht im Kondolenzbuch zu kopieren und zu veröffentlichen. Moment, für wen waren Kondolenzbücher noch einmal gedacht? Sicherlich nicht für die breite Öffentlichkeit. Wäre es eine Trauer um alle Verstorbenen, gäbe es sicherlich wenig Einspruch. Doch die zitierte Stelle ist eindeutig an eine einzige Person gerichtet; durch den genutzten Ausschnitt des Textes ist auch der Kurs eindeutig identifizierbar, der dieses Schreiben hinterließ. Auch interessant sind die Medien, die erst in der ersten Reihe stehen und sich nachher zurückziehen. Begründung: „Wir wollen den Schülern ihren Raum zum Trauern lassen“. Aber warum kommen sie dann überhaupt am ersten Tag direkt zur Schule und bleiben nicht fern?! Diese gespaltene Zunge war in den letzten Tagen häufig zu sehen, zu lesen und zu hören.

Das unverschämteste aber war, dass einige Reporter im Kreis standen und lauthals anfingen zu lachen. Einer von ihnen hüpfte herum. Es war weder Respekt noch Anteilnahme zu spüren. Lauthals los zu lachen, zwanzig Meter entfernt von vielen Trauernden, finde ich unmenschlich(…) – Zitat einer Mitschülerin

Belästigung der Familien über alle Kanäle

Die Schule, die Kirche sowie das Rathaus waren in den letzten Tagen die Hauptspielplätze der Presse. Doch Bild, Bunte, Spiegel TV (sprich RTL) sowie zwei englisch sprechende Französinnen ließen sich nicht beirren und klingelten tatsächlich an die Türen einiger betroffener Familien. Wie war das noch einmal mit dem Pressekodex, Paragraf 8? Durch zusätzliche Anrufe – immer mit unterdrückter Rufnummer – stellte sich bei den Betroffenen zum Teil ein Angstzustand mit der Angst, verfolgt zu werden, ein. Dabei waren die Anrufe nicht nur an normalen Zeiten, auch mitten in der Nacht soll es geklingelt haben. Ein Telefonat soll besonders krank gewesen sein. Ein scheinbar junges Mädchen rief bei einer der Opferfamilien an. Das Gespräch ist an dieser Stelle sinngemäß nachgebildet:

„Hallo, ich komme aus der Stufe unter  [der verstorbenen Person]. Mir tut das so leid.“

„Also aus der neunten?“

„Ja, ich glaube schon. Wann ist der Trauergottesdienst?“

Ekelhaft. Wie grässlich es sein muss, mit tiefstem Schmerz auch noch Angst vor heuchlerisch-freundlicher Presse vor dem eigenen Heim, dem Rückzugsort, haben zu müssen.. Doch die Familien selbst reichen den Voyeuren ja auch nicht: Die Bild ging noch weiter und suchte nach Personen, die auf den Facebook-Profilbildern der Verstorbenen markiert waren. Und wurden leider auch fündig. Diese skrupellose, unseriöse Gruppe von Journalisten macht angeblich nur ihren Job – diese Ausrede hörten wir in den letzten Tagen so oft. Doch ihr Job kann auch anders erledigt werden. Das sieht man bei den Öffentlich-Rechtlichen Programmen. Keine Spekulation, keine Hetzjagd auf Angehörige, keine Interviews gegen Geld – und doch gab es exakt die gleichen Informationen. Wieder mein Appell an diese pietätlose Randgruppe von Journalisten:  Was wäre, wenn sie ein Betroffener sein würden?

Was glauben sie Leser, wie erleichtert wir uns fühlten, als am Donnerstagabend zum ersten Mal seit Dienstag keine Journalisten mehr hinter uns standen und uns ablichteten. Die Stimmung änderte sich; die angespannte Atmosphäre wich einer angemessenen Befindlichkeit.

Eine Redaktion, die sich anscheinend selbst nicht kennt

Dieser Herr von SpiegelTV kannte nicht einmal seine Kollegen.

Dieser Herr von SpiegelTV kannte nicht einmal seine Kollegen.

Ich erwähnte ja bereits, dass die Team von SpiegelTV an der Tür mindestens eines der Opfer klingelte. Nun ja, am Samstag war dann einer des Teams an der Schule und machte Filmaufnahmen von den Kerzen sowie der Trauernden. Ich wies ihn darauf hin, dass die Flatterbandsperre auch für ihn gelten würde. Zuerst einsichtig ging er 5 Meter zurück, nur um dann wieder nach vorne zu treten und aus einem anderen Winkel zu filmen. Wow, was für eine Einsicht. Später sprachen wir noch einmal kurz miteinander. Was mich denn daran stören würde. Er hatte wohl schon wieder vergessen, dass er die Kamera auf einen der vielen abgelegten Briefe und Gedichte hielt. Schließlich machte er ja nur Aufnahmen vom Kerzenmeer.

Dann kam aber der Knüller: Die Frage, was er denn davon halten würde, dass seine Kollegen bei den Betroffenen zuhause waren, konnte er nicht beantworten. Das würde die Bild zwar machen (sic!), aber SpiegelTV eigentlich nicht. Da fallen einem nur zwei Lösungen ein: Entweder hatte der Kameramann einen Fall von akuter Demenz bei geringem Alter. Oder, ganz unwahrscheinlich, log er ja vielleicht einfach. Man weiß es nicht!

Dutzende Freundschaftsanfragen - auch bei nicht direkt Betroffenen.

Dutzende Freundschaftsanfragen nach dem Flugzeugunglück

Wofür die Medien eher weniger etwas können, sind die Freundschaftsanfragen bei den Betroffenen. Dutzende Fremde wollten symbolisch mit den Schwestern, Brüdern und Eltern befreundet sein – einfach nur, um es zu können. Dennoch: Jede Person, die nur ein Trauerbanner auf der eigenen Facebook-Seite hatte, bekam Anfragen. Ob dazwischen auch einige Redakteure waren? Mit Sicherheit. Viele werden Fakes gewesen sein, um etwa Beiträge von Trauernden lesen zu können.

Und der nächste Medienrummel kommt bestimmt

Beerdigungen, Trauermarsch, Jahresseelenamt: All diese Ereignisse stehen in der Kleinstadt Haltern noch an. Der 4. April steht bereits als Datum für den Trauermarsch fest, hier ist wieder mit einem großen Medienaufgebot zu rechnen. Die Hoffnung liegt auf der Anonymität der Masse: Vielleicht schaffen es die Vertreter ja, keine Nahaufnahmen zu machen.

Die noch anstehenden Veranstaltungen können von den Jornalisten genutzt werden, um zu zeigen, dass man auch ordentlich, mit Anstand und Würde über Angehörige und deren Trauer berichten kann. Wir Halterner würden uns auf jeden Fall über ein gemäßigtes Aufgebot an Kameras und weniger Einsatz von Vergrößerungsoptiken freuen.

Liebe Pressevertreter: Erinnern sie sich an die Versprechen, die einst bei der Entgegennahme des Presseausweises gegeben wurden. Zeigen sie, dass sie noch Scham und Mitgefühl empfinden. Versuchen sie nicht, das exklusivste Bildmaterial zu bekommen, koste es was es wolle.

Liebe Konsumenten von Bild, Bunte und Co.: Vermeiden sie, die reißerischen Neuigkeiten zu lesen. Seriöse Portale bieten bessere Infos, hetzen weniger und sind generell objektiver. Sie finanzieren als LeserInnen im Prinzip die Journalisten, die letzten Endes bei den Angehörigen vor der Haustüre stehen. Vielleicht ist die Zwangsabgabe an ARD, ZDF und die Dritten gar nicht so verkehrt.

 Wo Moral und Scham enden, beginnt der Journalismus.

Auch skrupellose Seitenbetreiber bei Facebook nutzten die Trauer, um für ihre Veranstaltungen möglichst viele Teilnehmer zu mobilisieren. Inzwischen 37.000 Personen nehmen am Event von "Kifferfakten" teil.

Auch skrupellose Seitenbetreiber bei Facebook nutzten die Trauer, um für ihre Veranstaltungen möglichst viele Teilnehmer zu mobilisieren. Inzwischen 37.000 Personen nehmen am Event von „Kifferfakten“ teil.

Disclaimer: Ich sprach am Dienstag kurz mit Channel5 sowie der ARD (Markus Preiss Dienstag und Jens Eberl Mittwoch-Freitag). Bei der Pressekonferenz am Mittwoch kam es zu einem kurzen Gespräch mit RTL. Dienstag rief die Bild-Zeitung an. Für Angaben mit konkretisierten Medien liegen zum Teil Screenshots und Links vor. Meine Quellen sind direkte Angehörige, fremde Trauernde, meine Freunde, Notfallseelsorger und Lehrer.

Update 1: Ich habe mit Richard Gutjahr über die Situation gesprochen. Hier das Video dazu:

Wer den Artikel gerne teilen möchte: Nutzen sie doch den Hashtag „#LasstHalternTrauern„. Dadurch kann man eine Übersicht bewahren, wie und wer es schon gelesen hat. Und ein Trendig Topic bei Twitter ist auch immer gut!

Meine Ice Bucket Challenge – oder auch nicht

Moinmoin!

Auch mich hat es inzwischen erwischt, ich darf mir einen Eimer Wasser über den Kopf schütten. Juhu! Mache ich aber nicht. Dafür habe ich meine einfachen Gründe. Man siehe einmal diese zwei Videos. Nummer eins ist von einem deutschen Youtuber – man muss ihn nicht mögen, aber er ist ein netter Kerl, den ich persönlich auch schon einige Male getroffen habe. Wichtigstes Statement ab 2:50 Minuten:

So, und hier noch einer, der selbst mit ALS erkrankt ist – spätestens hier sollte man dann doch über den Sinn dieser ach so tollen Challenge nachdenken. Denn: Wie viel ist vom Grundgedanken hängen geblieben? Okay, Marie, die mich nominiert hat, hat sogar dran gedacht, alles wichtige zu nennen. Aber bei wie vielen ist das Eiswasser zu einer Art Mutprobe geworden, anstatt wirklich zu helfen? Das krasseste, was ich bisher gesehen habe, war sinngemäß: „Entweder ihr schüttet euch Eiswasser über den Kopf oder ihr schuldet mir 24 Dosen Red Bull!“. Und das hat mit dem Ursprung ja nun mal wirklich gar nichts mehr zu tun.

Als Bonus gibt es noch ein drittes Video, das tatsächlich so in den kanadischen Nachrichten ausgestrahlt wurde. Bis zu den letzten Sekunden scheint es ja sogar noch seriös zu sein, doch dann wird es dezent lustig. Seht selbst:

Fazit: Macht von mir aus mit dieser Challenge weiter. Vergesst aber den Sinn hinter der Sache nicht! Dieser geht mehr und mehr verloren. Letzten Endes sollte es aber auch nicht Ziel sein, spenden zu „müssen“, weil man sich nicht mit Eiswasser überschüttet. Es gab mal eine Zeit, wo man mit Spenden nicht angeben musste. Oder habt ihr, als ihr mal klein wart, in der Kirche bei dem „Klingelbeutel“ damit angegeben, wie viel gespendet wurde? Ich hätte übrigens auch gerne einige Personen nass gesehen. Aber ich verzichte dankend darauf.

Und weil ich ja sooooo herzlos bin (zumindest gibt es Leute, die den Text oben so interpretieren würden), möchte ich darauf hinweisen, dass auch ich für gute Zwecke spende. In diesem Falle multiple Sklerose. „Vorteil“ von MS: Sie ist einigermaßen gut heilbar. Bei ALS sieht das anders aus – und die 40-50 Millionen, die bisher zusammen gekommen sind, reichen bei weitem nicht, um ein Medikament zu entwickeln.

In diesem Sinne,

Over and out.

OnStage Entertainment: Meine Erfahrung mit der Abi-Zulassungsparty 2014

tl;dr (too long; did’nt read): Ich bin enttäuscht.

Da freut man sich darauf, das bestandene Abitur nach 3 Tagen durchgehender Party zu feiern. Das ganze läuft nicht wie sonst im Sievert, sondern im Treibsand, man hofft also auf viel und eine große Professionalität. Und dann bekommt man so etwas geliefert. Ich gehe jetzt einfach mal den Verlauf des Abends durch.

Die Anreise

Erst schön einen Döner essen, dann langsam zum Bahnhof begeben und auf den Shuttlebus warten. So war zumindest der Plan. Gegen 22 Uhr vor Ort warteten schon etwa 40 andere Personen auf den Bus. Der dann etwa 10 Minuten verspätet kam – und auch irgendwie kein Bus war. Wie kommt man auf die Idee, bei rund 800 geplanten Gästen ein einziges Großraumtaxi einzusetzen? Das geht mir einfach nicht in den Kopf rein. In der Hoffnung, es mit dem nächsten „Bus“ vielleicht zu schaffen, wurde natürlich noch gewartet. Aber auch da: Direkt voll. Und schon fängt die Moral an zu sinken.Naja, ich war ja mit sportlichen Personen unterwegs, also mit dem Fahrrad in Richtung Silbersee. Sind ja nur bequeme 8 Kilometer. Mein Begleiter aus Lippcity hat sich über die zusätzlichen Kilometer richtig gefreut, doch dazu gleich mehr.

Später kam es übrigens dazu, dass andere Taxen ebenfalls gefahren sind – allerdings waren es dann, anstatt den 2.50€, von den ursprünglich ausgegangen worden war, 4€ für eine Fahrt. Die ersten 10 Euro waren für die mit VVK-Karte also schon vor Anfang ausgegeben.

Der Einlass

Jetzt mal ganz ohne Spaß: WIE kann man sich so etwas erlauben? Louis Security hat hier einen richtig schlechten Job gemacht. Auf die Nachfrage, ob denn die eigene Stufe direkt reinkommt, wurde nur patzig geantwortet anstatt konstruktiv zu sagen, dass man sich genau so wie der Rest hinten anstellen muss. Das ganze war so arm organisiert, dass es schon fast wieder lustig war – fand ich zumindest. Manch andere fanden es nicht so witzig und heulten vorne. Nein, keine Hyperbel, das war wirklich der Fall.

Also: Wie läuft es bei „normalen“ Events, sprich eigentlich jedem anderen, ab? Es gibt mehrere Reihen, in denen man sich anstellen kann. In welcher Form auch immer das dann passiert: U18 sowie Ü18-Reihe, Vorverkaufsreihe und Abendkasse oder noch andere Kriterien. Nix da: Alle auf einen Haufen, teils mehr als 130 Leute vorne vor. Spaßig? Ging so. Naja, eigentlich überhaupt nicht. Dass sich so etwas überhaupt als Sicherheitsdienst verkaufen darf.. Ich schweife ab. Also, zumindest die Leute aus der eigenen Stufe hätte man direkt rein lassen können, oder? Immerhin präsentierte die Abistufe 2014 des JKG die Veranstaltung ja:

Und Leute mit Vorverkaufskarten waren ja auch egal. Moment nochmal, warum kauft man sich diese überhaupt im Vorverkauf?

So, dann nochmal zu der Art und Weise, wie das Personal draußen mit den Besuchern umgegangen ist. Normal anstehende Leute durften zum Teil nach einer Stunde noch einmal nach hinten gehen, um das Prinzip einer Reihe durchzusetzen. Ganz arme Arbeit, eine riesengroße Sauerei dass sowas passiert. Ein paar waren dann im Vordrängeln doch ausreichend gut, um in 10 Minuten durch zu kommen. Immerhin kam man ja dann doch noch irgendwann auf die Idee, an der Seite ein Seil zu spannen, um Leute zumindest einigermaßen geordnet reinlassen zu können. Leider passierte das ganze erst gegen halb 12 – ist das etwa die erste Veranstaltung gewesen, die die Security gemanaged hat? Kam zumindest so stümperhaft rüber und erinnerte ein wenig an CRC. *Edit: Es meldete sich gerade eine weibliche Person bei mir,  dass sie an den Brüsten nach hinten geschoben wurde: „Das fand ich sehr grenzwertig“. Und dann dieses dauerhafte „Geht mal einen Schritt zurück“. Von vorne wird  nach hinten gedrückt, von hinten nach vorne gedrückt. Das Ganze plus ein klein wenig Panik wäre bestimmt lustig ausgegangen. Nicht. Loveparade und so – drastisches Beispiel, allerdings doch zutreffend. Für die nächste Veranstaltung sollte die Security mal ein paar Euronen in die Hand nehmen und in ein Megafon investieren, vielleicht klappt es dann besser. Vielleicht – mit so einem Umgangston aber eher nicht.

Und nein, die Menge war für Feiernde ganz normal: leicht angetrunkene Leute, die von der Security bzw. derem Umgangston angepisst waren. Vollkommen zurecht.

Nach einer halben Stunde Anstehdauer: Immer noch jede Menge vor dem Einlass.

Nach einer halben Stunde Anstehdauer: Immer noch jede Menge vor dem Einlass.

An dieser Stelle möchte ich noch zwei Zitate nennen, die ich von den Wartenden gehört habe: „Das ganze ist so schlecht organisiert wie noch nie!“ und „Wie kann man sowas überhaupt als Security verkaufen?“. Kann ich mich nur anschließen, ich musste/durfte/konnte mich für meine eigene Stufe schämen.

Besonders lustig fand ich es, als ich erfahren habe, dass sich die Security wohl zwischenzeitlich einfach eine Auszeit genommen hat und unsere eigene Stufe den Einlass regeln durfte. Lieber Leser, ich bin kein Freund von Klatschblättern, aber an dieser Stelle: „Bild‘ dir deine Meinung“.

Das Personal

Ich habe keine Ahnung, von wem die Garderobe organisiert wurde, auf jeden Fall waren die dort Angestellten dezent Fehl am Platze. Es ist klar, dass die Garderobe irgendwann voll ist, bei so vielen Gästen. Gar kein Problem. Aber wenn dann eine Freundin von mir anfragt, ob die Jacke angenommen wird und darauf einen Satz mit der Vokabel „Schlampe“ an den Kopf geworfen bekommt. Solche unfähigen Bedienstete erwartet man normalerweise eher bei der Telefonhotline von Versatel, aber doch nicht bei einer Party! Eine halbe Stunde Wartezeit an der Garderobe bei der Abholung ist auch nicht mehr als eine Zumutung die Jungs standen zu dritt und bekamen es nicht auf die Kette. So ist das halt, wenn man Jacken zum Teil auf den Boden wirft und durch das eigene Ordnungssystem nicht mehr durchblickt. Letzten Endes wurden einzelne Personen sogar in den Raum rein gelassen, um die eigene Kleidung suchen zu „dürfen“. Das ganze kenne ich irgendwoher: Auf der Gamescom gab es das gleiche Problem im Pressezentrum, am Ende des Tages fehlte eine Tasche mit einer teuren DSLR und einem Macbook. Und tatsächlich fehlte einer Person gestern plötzlich die Jacke. *Edit: Zwei Personen. Auch ich hätte gestern alles mögliche mitnehmen können. Gab es eigentlich einen Aushang an der Garderobe, inwiefern eine Garantie übernommen wird? Sowas ist rechtlich gesehen Pflichtprogramm.

Achso: Außerdem würde mich interessieren, wo ich die Erlaubnis dafür gegeben habe, für kommerzielle Zwecke gefilmt worden zu sein. Kleiner Tipp für den Promofilm, der daraus bestimmt gemacht wird: Zeigt nicht die Schlangen vor dem Treibsand. Sonst nehme ich das Video noch einmal auseinander und wiederhole den Teil „Der Einlass“ nochmal. Glorifizieren kann man die lange Wartezeit nämlich nicht, so toll war die Party nicht.

La Música

Ich mag EDM (Electronic Dance Music), aber leider nicht alle. Ja, es war vorher angekündigt, dass Charts und Elektronik kommen. Rein musikalisch gesehen gab es nur wenig Stilbrüche bzw. Fehler beim Mixing. Aber dennoch hätte ein bisschen mehr Diversität nicht geschadet. Wie wäre die Menge wohl bei Bochum, OMG, Proper Education oder Smells Like Teen Spirit abgegangen (Okay, Nirvana lief, allerdings nicht im Original – es gibt Songs, die sollten einfach nicht verändert werden)? Auch hätte sicherlich DoppelDate (Stufeninternes Rap-Duo) oder ein zweiter, dritter Piratentanz der Stimmung nicht geschadet *Edit: Der Piratentanz lief wohl öfter, aber wenn man nicht reinkommt, kriegt man das ja nicht mit. Mich als DJ zu bezeichnen, wie es manche in der Stufe tun, wäre etwas hoch gegriffen – aber ich hörte heute Nacht öfters, dass es bei mir besser lief. Komisch eigentlich, der Meinung war ich nicht, als wir Mittwoch und Donnerstag abends an der Schule waren. Übrigens: Wer will, kann am 1. Mai im WUP mit mir feiern, so wie es aussieht. Dann sind auf dem Maiwagen 6x so viel Boxen wie in der Schule bei den Mottotagen, mit mehr Spaß, Alkohol und natürlich auch länger.

Die Preise

Augen anstrengen! Ist etwas dunkel geraten, aber trotzdem lesbar.

Augen anstrengen! Ist etwas dunkel geraten, aber trotzdem lesbar.

Naja, war ja irgendwie klar, dass es teuer wird. Aber dann drei Euro für ein Pils? Nee, danke. Kein Wunder, dass nachher der Wodka leer war – hier passte der Preis von 2.50 Euro schon viel besser.
Übrigens: Glas macht auf keiner Party Sinn. So viel wie da zu Bruch gegangen ist, wundert es mich, dass niemand (meines Wissens) nun einen kaputten Fuß hat.

Fazit

Grundsätzlich ist das Treibsand eine schöne Location – zwar etwas weit weg vom Schuss, aber das sind wir ja schon vom Sievert gewöhnt. Grundsätzlich gibt es auch gute Partys in dem Schuppen. Aber die Organisation von dieser ist ordentlich missglückt. Soweit ich weiß, war das ganze als eine Art Einstieg in Halterns Partyszene geplant – und ist meiner Meinung nach ordentlich nach hinten los gegangen. Und nein, ich bin nicht der einzige, der das so sieht.
Ich hoffe im Interesse aller, dass die Organisation der nächsten Events von OnStage besser abläuft – und vor allem mit einem anderen Sicherheitspersonal. Und damit das ganze nicht nur wie ein Wutbürger-Beitrag rüberkommt: Für den Fall, dass meine Stufe noch einmal mit OnStage feiert, setze ich mich gerne in irgendwelche Gremien, um alles organisiert zu haben – vorausgesetzt, dieses wird nicht noch einmal übergangen, wie es mir gestern erzählt wurde. Stichwort Pommesverkauf. Oder halt auch ohne OnStage: Ich habe zusammen mit anderen Personen aus unserer Stufe genügend Kontakte.

Hallo, die Zweite

Södele, ich bin dann mal auf eine ordentliche Internetadresse umgestiegen. Die alten Beiträge nehme ich nicht mit rüber. Eine WordPress-Domain mit vollem Namen ist dann doch schwierig zu erreichen – je länger die URL, desto weniger Besucher. Die Frage ist, ob ich auf privatem überhaupt viel Traffic haben möchte? Wird sich zeigen.

Was hier landen wird, ist für nach wie vor unklar. Etwas Musik, etwas Politik, etwas zum Beefen? 😉 Wird sich mit der Zeit herausstellen. Wahrscheinlich aber auch einiges technisches, was nicht auf MeinWP (man erinnere sich: Mein Windows Phone-Blog) landen kann, da es nicht dem Thema entspricht. Da ich aber bei meinem „richtigen“ Arbeitgeber Tom’s Hardware (Seit Januar 2014 bin ich auch da aktiv, siehe unter anderem hier) keine eigene Meinung einfließen lassen darf, kommen iPhone- und Android-Themen nach hier.

Und dann ist da natürlich die Domain: Meistergedanke. Klingt auch nur minimal arrogant, was? 😉 Manchmal bin ich halt so, geht aber oft auch als „gesundes Selbstvertrauen“ durch. Und als Blogtitel hört es sich ja  (mMn) auch gut an – Zumal Trolle, wenn diese sowas direkt unter die Nase gerieben bekommen, entweder noch lustiger werden oder direkt abhauen.

In diesem Sinne, ich freue mich über den einen oder anderen Abriss, der hier so stattfinden wird. Man liest sich vielleicht ja noch mal?