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[Update 2] Centbeträge an AfD spenden – schadet das der Partei?

Derzeit geistert ein kleines Gerücht durch das Netz: Wenn man die AfD finanziell unterstütze, würde das der rechts angeordneten Partei einigen Schaden zufügen (2. Quelle).
Grundlage des Ganzen: Transaktionsgebühren bei dem Drittanbieter, über den die AfD Spenden beziehen kann. Sofortüberweisung, so heißt einer der zwei entsprechenden Anbieter, verlangt nämlich pro Transaktion einen gewissen Prozentsatz sowie eine feste Summe pro erfolgreicher Transaktion:sofortüberweisung

Das heißt: Wenn ich 10 Cent überweisen würde, kostet das der AfD theoretisch 0,10-0,25-(0,10*0,9%) Cent -> 15,009 Cent. Wichtig: Bitte hier noch die Fragen lesen, es kann sein, dass die AfD keine Gebühren zu bezahlen hat.

Halt Stopp! Es gibt doch noch die Parteifinanzierung vom Staat. Würde die diesen Verlust wieder auffangen können? Nö. Denn: Pro gespendetem Euro gibt es nur 38 Cent als Zuschuss. Heißt im Umkehrschluss: Aus den 10 gespendeten Cent werden 13,8 Cent. Immer noch ein Verlust von 11,209 Cent.

Die AfD hat Gegenmaßnahmen geschaltet: Jetzt sind Überweisungen per Sofortüberweisung nur noch ab 5 Euro möglich. So viel sollte natürlich nicht gespendet werden, weil die AfD hier wieder Gewinn macht!

[Update] Antwort von Sofortüberweisung

Grundsätzlich, so heißt es von der Pressestelle, entstehen tatsächlich für Kunden der Sofort GmBH Mehrkosten bei solch Centbeträgen, die überwiesen werden. Man konnte mir aber aus vertraglichen Gründen nicht sagen, ob es mit der Alternative für Deutschland einen Sondervertrag gab, bei dem die Kosten wegfallen würden.

Ganz konkret gab es aber auch eine Aktion von Sofortüberweisung: Die AfD wurde gekündigt! Ab dem 31. Januar 2016 – nach Fristende des Vertrages – kann die Partei keine Spenden mehr per Sofortüberweisung entgegen nehmen. Das hängt aber nicht mit dem Hintergrund der AfD zusammen, sondern mit einem Grundsatz der Klarna Group, dessen Tochter die Sofort GmBH ist. Diese hat in ihren Policies stehen, dass Parteien grundsätzlich keine Dienste des Unternehmens annehmen dürfen. Die Kündigung der AfD erfolgte erst jetzt, weil die Übernahme durch Klarna noch nicht allzu lange her ist.

Es ist richtig, dass die AfD über die SOFORT Überweisung die SOFORT GmbH als technischen Dienstleister zur Entgegennahme von Zahlungen genutzt hat. Zu den vertraglichen Inhalten mit einzelnen Händlern oder Organisationen können wir keine Auskunft geben.

Da die SOFORT GmbH als Teil der Klarna Group jedoch gemäß interner Richtlinien mit keiner politischen Partei zusammenarbeitet und die AfD als solche fungiert, haben wir den Vertrag heute gekündigt. Die Kündigungsfrist beträgt vier Wochen zum Monatsende.

Eine Zurückweisung von Überweisungen ist übrigens nicht möglich. Somit MUSS die AfD die bisherigen „Spenden“ entgegen nehmen und damit auch die Gebühren bezahlen.

Centbeträge nicht nur per Sofortüberweisung, auch PayPal

paypal

Dieses Centbeträge-Prinzip scheint auch mit PayPal zu funktionieren. Hier liegen die Gebühren bei 35 Cent pro Überweisung mit weiteren 1,7 Prozent bei unter 25.000 Euro und mehr als 5.001 Euro monatlichem Umsatz. Ich möchte mal behaupten, in diesem Bereich hält sich die AfD auf. Sprich, kurze Rechnung: 0,10-0,35-(0,10*1,7%)= 25,0017 Cent Verlust plus 3,8 Cent Parteienfinanzierung -> -21,0017 Cent pro PayPal-Überweisung von 10 Cent.

Per PayPal lässt sich sogar nur 1 Cent überweisen. Die Rechnung hier ist also: 0,01-0,35-(0,01*1,7%). -> -34,00017 Cent pro Überweisung.

[Update 2] Antwort von Paypal

Auch die Pressestelle von Paypal hat sich nun telefonisch gemeldet. Antwort (nicht wörtlich):

Es gelten die Gebühren, die hier auf unserer Webseite stehen. […] Es sind aber auch individuelle Anfragen möglich.

Konkret heißt das: Die AfD ist in erster Linie ein Händler, es gibt keine Sonderkonditionen für Parteien an sich. Da PayPal aber dem luxemburgischen Bankgeheimnis unterliegt, kann man mir zu extra Tarifen keine Auskunft geben. Ob jemand besondere Vertragsbestimmungen hat, hängt unter anderem mit dem Transaktionsvolumen pro Monat ab. Hat die AfD eine Sonderkondition? Ich persönlich möchte es bezweifeln, aber man weiß ja nie…

Einen Spendentarif hat die AfD aber auf keinen Fall. Diese Konditionen gehen nur an tatsächlich spendenbedürftige Vereine wie etwa „Ein Herz für Kinder“.

Ebenfalls wäre denkbar, dass die AfD Sonderkonditionen für sogenannte „Mikrozahlungen“ hat. Dann würde die AfD nur noch 10 Cent zuzüglich 10% vom Transaktionsvolumen zahlen müssen. Also, noch eine neue Rechnung: 0,01-0,10-(0,01*0,1) -> -0,09001 Euro pro Transaktion und immer noch ein signifikanter Verlust.

Im Gegensatz zur Sofortüberweisung ist die Zurückerstattung von Überweisungen bei Paypal möglich. Das heißt: Wenn die Alternative für Deutschland die 1-Cent-Beträge nicht haben möchte, kann sie es zurückerstatten. Dabei sind aber nicht die Transaktionskosten von Paypal inkludiert: Heißt, auch wenn der eine Cent zurück überwiesen wird, muss die AfD weiterhin 35 Cent an Paypal zahlen. Nur die prozentuale Abgabe wird zurückgenommen.

Welche Daten erhält die AfD von PayPal-Nutzern? Auch hier war keine eindeutige Antwort möglich, hier finden sich allerdings die Bedingungen.

Das heißt konkret…

Sprich, Stand jetzt: Die AfD macht bei 10 gespendeten Cent 11,2 Cent oder 21,0017 Cent Verlust, je nach Anbieter. Scheint nicht viel zu sein, aber gerade der AfD kann es derzeit richtig weh tun – immerhin wird der Gold-Shop in Kürze nicht mehr erlaubt sein und die Finanzierung der Partei hängt am seidenen Faden.

Relativiert gesehen: Selbst wenn 5000 Leute 10 Cent per PayPal an die Alternative für Deutschland überweisen, hat die AfD „nur“ einen Verlust von 1.050,085 Euro. Wenn nur 1 Cent überwiesen wird, kommt man auf 1700 Euro Schaden. Die  Spendenbücher danach desweiteren vollkommen überflutet. Also: Wer’s braucht, kann diese Centbeträge ja gerne einmal überweisen. Viel mehr als eine „witzige“ Aktion ist das Ganze aber nicht.